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Der Weg zur Naturheilkunde: Ein Erfahrungsbericht von Xavier Gridelet

Aktualisiert: 1. Aug 2021


Kneipp-Kuren, Fasten, Yoga, Meditation und Entspannungstechniken – die alternative Medizin und Naturheilkunde gewinnt jedes Jahr an Vertrauen in der Bevölkerung und dieser Trend setzt sich fort. Laut einer repräsentativen Umfrage des Bundes Deutscher Heilpraktiker, haben diese in Deutschland hochgerechnet jährlich rund 46 Millionen Patientenkontakte. Das bedeutet: Jeden Tag gehen deutschlandweit mehr als 128.000 Personen zum Heilpraktiker.


Um diese Entwicklung hin zum größeren Bewusstsein für eine natürliche Gesundheit noch besser zu verstehen, haben wir dem Naturheilkundler Xavier Gridelet über seinen Werdegang befragt. Seine Ausführungen geben tiefen Einblick über die beruflichen Möglichkeiten dieses spannenden Berufes.





Herr Gridelet, seit 12 Jahren sind Sie Naturheilkundler in Frankreich in eigener Praxis. Wie hat alles für Sie begonnen?

Mein Weg zur Naturheilkunde hat bereits in meiner Kindheit begonnen. Meine Eltern haben mich in der Philosophie der Naturheilkunde erzogen: ausgewogene vegetarische Kost, Offenheit für andere Menschen, Traditionen und Kulturen, bis hin zur Spiritualität in der Welt. Im Jahr 2006 im Alter von 20 Jahren beendete ich nach kurzer Erfahrung das Jura-Studium, obwohl ich noch nicht genau wusste, was ich beruflich machen wollte.


Wie begann diese neue Berufsausbildung für Sie?

Die wirkliche berufliche Orientierung war nicht einfach, denn vor 15 Jahren war die Naturheilkunde in Frankreich noch nicht so bekannt wie heute. Ich meldete mich auf dem Land in einem kleinen Dorf in einer privaten Schule an: Diese Schule geht auf den Begründer der Naturheilkunde in Frankreich zurück, Herrn Pierre-Valentin Marchesseau. Ab dem ersten Kurs fühlte ich mich zutiefst berührt, meine Erwartungen wurden sogar übertroffen. Ich denke, dass die natürliche Medizin den Weg eröffnet, um zum tiefen Wesen des Menschen in seiner Gesamtheit, zu der ganzen Dimension seines Seins und seiner möglichst harmonischen Entwicklung zu gelangen. Die Begeisterung meiner Lehrer hat mich während der gesamten Ausbildung getragen.


Was lernten Sie in Ihrer Ausbildung?

In den 4 Jahren wechselten wir zwischen Theorie und Anwendungen, und es gab viel Gelegenheit, für den Austausch zwischen Schülern und Lehrern. Ich erlebte ein Gleichgewicht zwischen intellektuellen Kenntnissen der Wissenschaft und Philosophie, den Kenntnissen unserer Vorfahren, und den menschlichen Werten unserer Lehrer, sowie ausreichend Zeit für die Anwendung. Wir hatten die Möglichkeit, unsere ausgewogenen Mahlzeiten zusammen vorzubereiten, ebenso wie Massagen und Körperanwendungen zu praktizieren. Wir übten uns in Entspannung und Wasseranwendungen wie Sauna, und Bäder aus der Kneipp-Methode. Diese Gruppendynamik begleitete mich auf meinem weiteren beruflichen Weg.


Was haben Sie nach der Ausbildung gemacht?

Nach der Ausbildung in Methoden und Kenntnissen konnte ich nach und nach vertiefen, was die therapeutische Beziehung im Beruf wirklich bedeutet. Sieben Jahre lang arbeitete ich in einem Bioladen als Naturheilkundler, in dem ich Beratungen für die Kunden durchführte. Der Erfolg ermöglichte mir, dass ich parallel zu dieser Tätigkeit bald mit mehreren Osteopathen eine Gemeinschaftspraxis eröffnete. Die Dankbarkeit meiner Klienten motivierte mich, mich noch weiter in komplementär-medizinischen Techniken auszubilden. Die Medizin der Derwische aus dem mittleren Osten von Idris Lahore sprach mich besonders an. Außerdem hatte ich für eine Weile Gelegenheit, in einer neu gegründeten Schule der Naturheilkunde mehr als 100 Studierende in verschiedenen Fächern und Methoden zu unterrichten, was eine sehr wertvolle Erfahrung für mich war. In der Zeit habe ich auch 18 Monate als Ko-Autor an einem sehr umfassenden Buch der Naturheilkunde mitgewirkt, welches nun im französischen Buchhandel erhältlich ist.


Was zeichnet sich heute für Sie ab?

Ich liebe den Beruf des Naturheilkundlers. Ich mag den gesunden Menschenverstand und die Effizienz, gebunden an eine immer tiefere Weisheit für das Leben. In diesem Beruf fühle ich mich auch ständig gefordert, mich persönlich weiterzuentwickeln. Nach einigen Jahren, in denen ich meine Praxis im Atlantik hatte, werde ich jetzt ca. 300 km entfernt in die Berge ziehen, an einen anderen Ort, an dem die Luft und das Wasser noch sehr rein sind. Natürlich ist das eine besondere Herausforderung, in diesem Dorf mit 140 Einwohnern ein neues Netzwerk aufzubauen. Ich bin davon überzeugt, dass dieser Beruf uns ermutigt, unsere „Komfortzone“ zu verlassen und unsere Aktivitäten kreativ zu gestalten. Ich strebe aktuell an, in einer ruhigen und kraftv